| 01. Oktober: Andi Skywalker auf den Spuren des B-17 Bombers „My Buddy“
Die Tage werden kürzer, im Mittelland oftmals Nebel, zu nasse Piste… kurz der Winter kommt mit Riesenschritten und die Flugsaison neigt sich wieder einmal dem Ende zu. Folgendes Alternativprogramm sorgt für den willkommenen Adrenalinschub:
Der Bomber "My Buddy" mit der Kennung H; aufgenommen noch vor seinem verhängnisvollen Einsatz über München. |
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![]() Meines Wissens gibt es nur zwei B-17 Wracks im ganzen Land, welche nicht verschrottet wurden. Diese Orte liegen zu abgelegen in den Alpen. Die Absturzstelle von „My Buddy“ zu erreichen, so der Name des Bombers, ist das Ziel des heutigen Tages. Der Bomber liegt irgendwo im Schlappintal auf rund 2500 Meter Höhe. Genaue Informationen zur Absturzstelle sind im Internet nirgends zu finden, jeder Hobby-Schatzsucher will wohl das Geheimnis für sich behalten. Und so mache ich mich an einem föhnigen Herbsttag mit dem Mountainbike auf den Weg ins Schlappintal. Der Rucksack ist bleischwer und echt Experimental-Flugzeugbauer-mässig bestückt: Bergschuhe, Proviant, ein dutzend Energieriegel, warme Kleider, Eisensäge mit Ersatzblatt, Blechschere, Engländer, Wasserpumpenzange, GPS, Fotoapparat, Fernglas, Schliesskette fürs Bike... Schon der Aufstieg von Klosters ins Dörfchen Schlappin erfordert eine dicke Beinmuskulatur; der „Fahrweg„scheint direkt in den Himmel zu steigen. Einen Trink-Bidon später erreiche ich das Dorf und treffe einen rüstigen alter Herr, welcher den Absturz vor 62 Jahren miterlebt hat. Er weiss interessantes von diesem Ereignis zu erzählen: Die Hirten vom Tal waren natürlich vor der Polizei an der Absturzstelle, so habe es dann am folgenden Nationalfeiertag vom 1. August 1944 ein Feuerwerk mit den Leuchtraketen aus dem Bomber gegeben! In den Sechzigerjahren seien sogar die Maschinengewehre, Motoren und Propeller noch herumgelegen. In der Zwischenzeit sei aber der grösste Teil von Schatzjägern abtransportiert worden, einige haben sogar mit privaten Hubschraubern das Material ins Tal geflogen. |
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![]() Endlose Höhenmeter und einige Power-Riegel später gibt es kein weiterkommen mehr mit dem Bike, die Wanderschuhe müssen montiert werden. Zuerst geht es noch den Weg entlang, danach querfeldein und teilweise auf allen Vieren durch die Geröllhalden. Oben angekommen suche ich mit dem Fernglas das Gelände ab, kann aber nichts entdecken was menschlichen Ursprungs sein soll. Irgendwie scheinen alle Seitentäler gleich auszusehen, und nun fängt es auch noch an zu regnen! Wieder zaubere ich aus meinem Experimental-Rucksack ein äusserst nützliches Accessoire: Einen kleinen, mehrfach faltbaren Regenschirm den ich vorsorglich meiner lieben Marlis abgeluchst habe! Schade schiesst niemand ein Foto von mir, Bergsteiger in Velokleider am Arsch der Welt und hält mit der Hand einen Regenschirm mit Blumenmotiv ;-) |
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![]() Leicht frustriert denke ich an Rückzug: es ist schon 15 Uhr und immer noch kein Flugzeug in Sicht. Ich kontrolliere mit dem GPS die Höhe; es zeigt rund 2500 Meter an. Die Höhe stimmt, aber das Tal muss das Falsche sein. Ich beschliesse noch einen Versuch zu unternehmen und steige ins nächste Tal das weiter rechts liegt. Vor einer Felswand in der Ferne glaube ich was Glänzendes zu sehen. Mit dem Fernglas entdecke ich zerrissenes Aluminium, daneben der Metallrahmen eines Sitzes! Ich habe das Wrack tatsächlich gefunden und zu allem Glücksgefühl hört auch der Regen auf. |
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![]() Das abgerissene Seitenleitwerk des Bombers, fotografiert im Jahr 1944. Über ein halbes Jahrhundert ist es her, als Lt. Gerald Kerr und zwei seiner Kollegen versuchten, bei schlechtesten Sichtbedingungen (Nacht und Schneefall) den hinkenden Bomber um die Felsen zu dirigieren. Als der dritte von vier Motoren auch noch seinen Dienst quittierte, gab es für die Crew kein Entrinnen mehr; der Bomber prallte in die Felsen... |
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![]() Auf einer Länge von gut 50 Metern liegen die Überreste von „My Buddy“ zerstreut im Geröll. |
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![]() Zu meiner Überraschung glänzt das Aluminium wie neu und weist keinerlei Korrosionsspuren auf! Die grüne Grundierung und der braune Tarnanstrich sind noch immer teilweise vorhanden. |
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![]() Der EAS-Bauberater erkennt sofort die professionell ausgeführten Nietverbindungen (sieht aus wie bei der RV von Dominik;-) Interessant ist dass teilweise rohes Aluminium verbaut wurde. Auch diese Trümmerstücke weisen keinerlei Korrosionsschäden auf. Wenn ich daran denke, dass das EAS bei meinem Flugzeug die Auflage verfügte, alle Aluminiumteile zu grundieren... 10kg Ballast für gar nichts, und wie man hier leider sieht, gehen die Aluminiumflieger kaputt weil die Piloten in die Felsen fliegen, und nicht weil sie korrodieren... |
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![]() Weiter zu finden sind unter anderem Teile von einem Auspuffrohr, ein Fahrwerk, Teile eines Ruders, Gummiteile, Hydraulikleitungen, Stromkabel und jede Menge Aussenblech von Rumpf und Flächen. Die interessantesten Teile sind wie erwartet schon „verschwunden“, aber trotzdem ist die Fundstelle faszinierend und traurig zugleich. |
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| Nach rund einer Stunde Feldforschung mache ich mich müde und zufrieden auf den Heimweg. Unten im Tal dann noch ein unerwarteter Adrenalinschub; ich kann mein Mountainbike nicht mehr finden! Vorsorglich habe ich es ein paar Meter abseits vom Weg hinter einem grossen Stein versteckt; zu gut wie es nun erscheint. Wie beim Bomber ist nun suchen bis gefunden angesagt, denn ich will unter keinen Umständen auf 2000 Meter Höhe die Nacht verbringen! Nach diesen Zusatzrunden schwinge ich mich endlich aufs Bike und stürze in mich ins Tal hinunter.
Während dem Ritt ins Tal drehen sich meine Gedanken schon um ein anderes B-17 Flugzeugwrack; in der Nähe von Obersaxen liegt ja noch Champagne girl... Euer Andi Skywalker, fast live auf Kanal www.portner.ch Dieser Absturz und noch viele weitere sind auf der echt mega-sehenswerten Website http://www.warbird.ch/ im Detail beschrieben; hier klicken für die Geschichte von "My Buddy". Weiter habe ich dank Google den eindrücklichen Bericht von Bordmechaniker Leon Finneran gefunden. Leon ist Sekunden vor dem Absturz mit dem Fallschirm abgesprungen und landete verletzt und ohne Schuhe in einem Schneefeld. Am nächsten Tag stieg er ins Tal ab und fand eine verlassene Alphütte. Dort wurde er von drei Schweizer Grenzwächtern gefunden und in Sicherheit gebracht. Dabei gab ihm ein Grenzschützer seine Schuhe und Socken und ging fortan barfuss. Ein anderer gab ihm seine Jacke, damit Leon von allfälligen Deutschen nicht als Amerikaner erkannt werden konnte (sie waren weniger als 200 Meter von der deutsch/österreichischen Grenze entfernt). Verzeichnis aller B-17 Bomber, welche in der Schweiz gelandet sind: Verzeichnis aller amerikanischen Flugzeuge, welche in der Schweiz gelandet sind. In Dübendorf muss es ausgesehen haben wie auf einer amerikanischen Airbase...
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![]() 22. Oktober Endlich wieder einmal in der Luft; nutze den Tag um quer durch die Schweiz zu fliegen. Hier das Martinsloch bei Elm |
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![]() Typische Fönwetterlage: Alpennordseite schön und trocken, Südseite total zu. |
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![]() Langsam ein alltägliches Bild: geschmolzene Gletscher... |
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![]() Genfersee, Premiere für den Skywalker Breezer |
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Während des zweiten Weltkriegs retteten sich viele alliierte Bomber in die neutrale Schweiz; sie wurden im Einsatz zu schwer beschädigt um bis nach England zurückzufliegen. Wenn möglich landeten die Bomber in Dübendorf, andere hatten weniger Glück und stürzten irgendwo in der Schweiz ab. Die Flugzeugwracks wurden danach verschrottet und schweizerisch korrekt entsorgt.











